Den Lebensabend genießen – auch im Bett

„Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“, sang ein Schlagersänger in den 1970er Jahren treffend. Bei den Menschen hingegen ist sie gnadenlos, so daß jeder Mensch wohl oder übel altert. Und mit der Zeit muß sich jeder Mensch von liebgewonnenen Dingen oder Tätigkeiten trennen, weil es nicht mehr möglich ist, diesen nachzugehen. Auch der Sex wird zwangsläufig weniger, wenn man altert. Hormonelle Umstellungen vor allem bei den Sexualhormonen läßt die Libido sinken, zahlreiche Zivilisationskrankheiten können eine erektile Dysfunktion verursachen. Doch ganz auf Sex muß niemand verzichten. Vor allem nicht, wenn der zweite Frühling das Leben wieder sonniger werden läßt und man sich wieder jung fühlt.

Das Gefühl der Unsterblichkeit

In der Jugend macht man sich keine Gedanken um das Altern. Man wähnt sich unsterblich und potent und läßt keine Party aus, um das Leben zu feiern und hier und da einen One Night Stand oder eine Affäre mitzunehmen, bis endlich diejenige welche kommt, mit der man sein Leben verbringen und eine Familie gründen möchte. Das Leben geht weiter und im jungen Erwachsenenalter als junge Eltern kommt man nicht mehr dazu, über das Altern nachzudenken. Gut, wenn das erste Kind geboren wird, vernehmen viele im Hinterkopf ein leises Ticken der Zeit, denn auch wenn die Geburt des Nachwuchses ein wunderschönes Ereignis ist, ist es doch das untrügliche Zeichen des Älterwerdens.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind

Doch das leise Ticken tritt schnell in den Hintergrund, die Herausforderungen, die das Leben an junge Eltern stellt, sowie die Hürden des Alltags sind groß und wollen gemeistert werden. Da bleibt nicht sehr viel Zeit, über das Altern zu philosophieren. Die Erziehung der Kinder, die Pflege der Beziehung und die Meisterung der beruflichen Herausforderungen, um den Kindern Sicherheit zu bieten, lassen dafür keinen Raum. Doch die Zeit verrinnt unerbittlich und scheinbar von Jahr zu Jahr schneller. Und auf einmal sind die Kinder aus dem Haus, die auf einmal viel zu großen Räume viel zu still und die Gedanken über das Leben, das Universum und den ganzen Rest drängen mit aller Macht ins Bewußtsein und nagen.

Die Midlifecrisis

Kaum hat man es sich versehen und schon steckt man mitten drin in der Umstellung des Hormonhaushaltes und der berühmten und berüchtigten Midlifecrisis, der Krise, welche eine Zäsur darstellt, die das Ende der ersten Hälfte und den Beginn der zweiten Hälfte des Lebens markiert. Diese Phase wird begleitet von zahlreichen Fragen und Grübeleien, von einem Resümee über das bisherige Leben. Hab ich alles richtig gemacht mit den Kindern? Habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe? Und was würde mein zwanzigjähriges Ich über mich sagen, wenn es mich heute sehen könnte? Doch nicht nur die Fragen über die Vergangenheit werden gewälzt, sondern auch nagende Gedanken über die Zukunft. Nicht wenige Menschen wähnen in dieser Zeit, daß alle Höhepunkte, die das Leben bieten kann, bereits erlebt wurden und nun nur noch Tristesse kommen kann.

„Hasch mich, ich bin der Frühling“?

Manche Menschen reagieren in dieser Phase kopflos und übertreiben. Der Volksmund hat für solche Menschen den Begriff „Hasch mich, ich bin der Frühling“ geprägt. Der zweite Frühling wird versucht, damit herbeizuführen, sich künstlich auf jung und hip zu stylen und es der jungen Generation gleichzutun. Mann kauft sich einen Porsche und legt sich ein junges Ding als Affäre zu, die Frau zieht nächtelang durch Clubs auf der Suche nach einem jungen Liebhaber. Nicht selten enden solche Übertreibungen mit einer Trennung. Doch nicht immer.

Geänderte Wünsche und Bedürfnisse

Einsichtige Menschen reflektieren klarer und mit einem kühleren Kopf. Sie nutzen die gewonnene Zeit und denken über ihre geänderten Wünsche und Bedürfnisse nach, die ihnen nach der langen Zeit, in der sie so beschäftigt waren, oftmals nicht bewußt waren. Und sie denken intensiver über ihre Beziehung nach und binden ihre Partner in ihre nachdenkliche Phase ein. Die beste Entscheidung, die man machen kann. Denn wer fühlt sich nicht geehrt, wenn der Partner so viel Vertrauen hat, um in einer schweren Zeit zu kommen und Hilfe zu suchen?

Die Beziehung reflektieren

Zumal der Partner, sofern er im gleichen Alter ist, eine ähnliche Phase durchmacht und ebenfalls Wünsche und Bedürfnisse hat, die sich geändert haben. Zusammen diese Phase durchzustehen, gemeinsam über die Beziehung zu reflektieren, die Höhen und Tiefen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, die man zusammen durchlebt hat und über die gemeinsame Zukunft zu planen, schweißt zusammen und festigt die Beziehung. In dieser Zeit kommen sich beide Partner wieder näher und der zweite Frühling beginnt mit dem eigenen Partner, mit den vertrauten Begleiter, in den man sich wieder neu verliebt.

Der zweite Frühling mit dem eigenen Partner

Denn für den zweiten Frühling, einer Lebensphase, in der man sich wieder jung fühlt und sich in der zweiten Hälfte des Lebens noch einmal frisch verliebt, ist es nicht notwendig, unbedingt einen anderen Menschen kennenzulernen, in den man sich verliebt. Den zweiten Frühling kann man auch mit dem eigenen Partner erleben. Und dieser zweite Frühling ist ähnlich wie der erste Frühling – auch im Bett. Denn nach der nicht selten langen Zeit der Routine lernen sich beide Partner auch beim Sex neu kennen, da oftmals andere Vorlieben entwickelt wurden. Diese sollten beide Partner neu entdecken, um das Sexleben auf eine neue Stufe zu heben.

Kommunikation ist wichtig

In dieser Zeit ist eine offene Kommunikation der wichtigste Aspekt. Nur auf diese Weise können eventuelle Konflikte gelöst und neue Bedürfnisse erkannt werden, vor allem, was das Sexualleben betrifft. Nicht selten offenbart die langjährige Lebensweise ihre Auswirkungen. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufes sind sehr weit verbreitet. Und diese Erkrankungen führen oftmals dazu, daß Mann im Bett nicht mehr kann, da sie ein erektile Dysfunktion hervorrufen. Eine Unlust der Frau ist ebenfalls weit verbreitet, welche im Alter durch die Umstellung des Hormonhaushaltes verursacht wird.

Keine Heimlichkeiten

Ist dies der Fall sollten beide Partner ebenfalls offen damit umgehen und nicht aus falscher Scham verschweigen. Denn die Themen „Impotenz“ und „Frigidität“ sind heutzutage nicht mehr mit einem Tabu belegt, zumal es medizinische Hilfe gibt. Nach einer Konsultation beim Arzt können Potenzmittel wie Viagra, Cialis und Levitra erworben werden. Diese Präparate helfen zuverlässig gegen eine erektile Dysfunktion. Gegen die Unlust der Partnerin helfen Produkte wie Addyi oder Lovegra. Damit geht es im Bett ganz sicher wieder rund und die neuen Wünsche und Bedürfnisse können lustvoll genossen und befriedigt werden.

Der zweite Frühling nach einer Trauerphase

Der zweite Frühling kann auch nach einem sehr traurigen Erlebnis erlebt werden. Wenn Menschen älter werden, müssen sie nach und nach immer wieder von vertrauten Dingen und gewohnten Lebensumständen Abschied nehmen. Die betrifft leider auch geliebte Menschen wie den Partner, mit welchem lange Jahre eine innige Beziehung voller Vertrauen geführt hat. Stirbt dieser Mensch, wird den Hinterbliebenen ein tiefes Loch ins Herz gerissen, ein Loch, das nie wieder gefüllt werden kann, so das Gefühl der meisten Betroffenen. Doch die Zeit nimmt nicht nur, sie heilt auch. Und bringt kleine Wunder.

Kein schlechtes Gewissen

Niemand steht allein da, auch nicht nach einem solchen Verlust. Familie und Freunde sind da, um Betroffene aufzufangen und ihnen einen Halt zu geben. Und nicht selten bewirkt diese liebevolle Unterstützung, daß sich die Dankbarkeit, welche die Hinterbliebenen für die Hilfe empfindet, in Liebe verwandelt. Dies ist ganz natürlich, es muß kein schlechtes Gewissen aufkommen. Niemand will allein sein und wie es im Lied heißt: Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Man muß die Liebe nur zulassen, dann tritt neuer Sonnenschein ins Leben.